Offener Brief an Exxon Mobil

Verfasst am:

Ihr Brief vom 26.04.2016, Zeitungsartikel Kreiszeitung Rotenburg vom 04.05.2016

Sehr geehrter Herr Nack, sehr geehrter Herr Hinz, sehr geehrte Frau Westendorf-Lahouse,


ich habe Ihre Absage für die Informationsveranstaltung am 18.05. erhalten und mit Bedauern zur Kenntnis genommen. Wie bereits am Telefon erläutert, kann ich Ihre Entscheidung nicht nachvollziehen. Sie begründen Ihre Absage damit, dass die Themen Reststoffbehandlungsanlage, Krebshäufung und LBEG-Untersuchungen nichts miteinander zu tun haben. Das ist meiner Ansicht nach schlicht und einfach falsch.

Ich kann ihren Wunsch nach Differenzierung dieser Themen nachvollziehen. Kausale, sachliche Zusammenhänge zwischen der Erdgasförderung und den Krebsfällen sind nicht bewiesen. Und auch in meinen Augen bietet die Reststoffbehandlungsanlage eine Möglichkeit, in der Vergangenheit ungeklärte Abläufe in der Produktion umweltgerechter und sicherer zu machen.

Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass bei den Menschen in der Samtgemeinde und der Region diese Themen nicht getrennt, sondern als eine kritische, bedrohliche Gesamt-Gemengelage betrachtet werden! Da hilft es auch nicht, sich auf die Veranstaltungsformate zurückzuziehen, die von Ihnen selbst angeboten, gelenkt, und kontrolliert werden. Vielmehr wird auch in Zukunft der Dialog auf allen Ebenen Grundvoraussetzung für Ihre weiteren Unternehmungen in der Region sein. Dem Tragen Sie ja auch mit Ihrem Pressetermin Rechnung.

Die Skepsis, ja, das Misstrauen der Bürgerinnen und Bürger wird weiter wachsen, wenn Sie es nicht einmal für erforderlich halten, auf Einladung des Samtgemeinderates und des Bürgermeisters an einem solchen Informationsabend teilzunehmen. Ich hatte Ihnen zugesichert, dass über meine Moderation und die Bedingungen für die Medienvertreter jede

Form von Diffamierung, persönlichen Angriffen oder tendenziösen Unterstellungen unterbunden werden. Zu dieser Zusage stehe ich auch weiterhin.

Ebenso wenig Verständnis habe ich für das in der Rotenburger Kreiszeitung vom Mittwoch, 04.05.16, veröffentlichte Statement Ihres Unternehmens.

Sie verlangen von allen Beteiligten Fairness und Sachlichkeit in der Diskussion und ein Abwarten der Untersuchungen des Gesundheitsamtes, stellen aber ohne diese Ergebnisse mitten im Untersuchungsverfahren schon einmal fest, dass die Erdgasförderung nicht die Ursache ist? Sie behaupten, die Zahl der Erkrankungen sei nicht untypisch für unsere Region, obwohl bewiesen ist, dass es eine Häufung von Krebsfällen zweier Krebsarten in der Samtgemeinde Bothel gibt, die vom statistischen Mittel in der Region Lüneburg um 100% (!) abweicht? Wie ist da Ihre Äußerung, sie wollen dem Bauchgefühl der Leute mit Aufklärung und Transparenz begegnen, zu verstehen?

Wenn ich so manchen unsachlichen, ja, unfairen Angriff selbsternannter Experten gegen Ihr Unternehmen und Ihre Mitarbeiter beobachte, kann ich nachvollziehen, dass Sie sich in einer Opferrolle „am Pranger“ sehen. Diese Opferrolle ist aber nicht auf Sie beschränkt, es gibt hier Menschen die aus irgendeinem Grund an Krebs erkranken und sterben!

Sie unterschätzen die Aufmerksamkeit der betroffenen Menschen in der Region. Die undifferenzierten Angriffe gegen Sie werden nicht ohne weiteres für bare Münze genommen. Genauso wird aber auch Ihre Behauptung registriert, Benzol sei der einzige krebserregende Stoff im Erdgas!
Der einzige Weg zu einer gesunden und gleichzeitig für ExxonMobil wirtschaftlichen Zukunft ist der gegenseitige Respekt und eine bedingungslose Aufklärung sich stellender Fragen.

Die Samtgemeinde Bothel wird auch weiter Kompromisslos das Ziel verfolgen, die Ursachen für die vielen Krebsfälle in der Region zu ermitteln, ohne auf dünnen Argumenten basierende, voreilige Ergebnisfilterung zu akzeptieren. Ich hoffe, dass ich Sie bei der Unterstützung dieses Anliegens an der Seite Ihrer Nachbarn in Bellen, Hemslingen und Söhlingen finde und die mediale Auseinandersetzung nicht weiter in gegenseitige Vorwürfe und unhaltbare Behauptungen abdriftet.

Meine Einladung für den 18.05. halte ich aufrecht und würde mich freuen, Sie dort begrüßen zu dürfen, damit wir in diesem Ziel der Aufklärung weiter vorankommen.


Mit freundlichen Grüßen

D. Eberle

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